AUSSTELLUNG

CONCRETE VEIN

Ein Projekt von Studierende des Kurses: ausbelichten, drucken, angucken, beschreiben an der Bauhaus Universität

In schwarz-weiß Fotografien sehen wir sich windende Rohre, zerfallende Tropfen und stützende Hände, die alles zusammenhalten. Wir sehen die Neonlichter, die uns blenden oder vorbeifahrende Autos, die aufblitzen, wenn sich Mensch fortbewegt. Das Alltägliche wird besonders. Vor allem die Makroaufnahmen fokussieren Material und Beschaffenheit. Sie verschleiern den Kontext und schaffen Portraits von Objekten, die fast wie Personen wirken und eigenständig den Raum in Beschlag nehmen. Das Auge wird geleitet von Linien und Kontrasten, bleibt hängen an Störungen und chaotischen Ecken, die eigentlich im Verborgenen bleiben sollen. Wir sehen Aufregung und Ruhe, liegende Boote, wehende Poster. Wir sehen Wohnhäuser, die so unterschiedlich scheinen und doch dem gleichen Zweck dienen. Sie wirken offen oder verschlossen. Löcher und Lücken geben Einblick ins Private derer, die immer noch hoffen und wünschen.

Die Fotografien wirken auf den ersten Blick reduziert. Auf den zweiten Blick entsteht ein neuer Fokus. Das einst Gesehene wird neu interpretiert. Neue Sachen entstehen. Die Abzüge bieten in der Dunkelkammer Platz für gestalterische Entscheidungen. Form und Textur, Schatten und Fläche treten hier und da in den Vordergrund.

Die Ausstellung ist das Ergebnis des Kurses ausbelichten, drucken, angucken, beschreiben, der im Wintersemester 2022/23 an der Bauhaus- Universität Weimar von Pio Rahner angeboten wurde.

Variation on the street look.

What is the idea of a street? What are the signs? Is it really impossible to define a rural area as a street?

In the heights of the Ilm Park, the houses are set in gardens, behind wooden gates. Each gate has a number on it, they are addresses. And yet there is no sign of the city's presence. The houses are small and inconspicuous. Even if you bend over the gate, they remain closed in on themselves. At the other end of the city, there is Erfurter Strasse. A large urban area, including a gas station, Aldi, and a car dealer. Typical urban appearance, the concrete occupies the available space. Cars use this street to leave Weimar and reach the highway.

Two radically different spaces that nevertheless share the same primary functionality: inhabiting.

-Sarah Amar

Busse, Taxis, Anwohner*innen und Besucher*innen, die direkt vom Bahnhof geradeaus in die Stadt laufen, Fahrräder, Autos und Wohnhäuser in der Schopenhauerstraße (benannt nach Johanna Schopenhauer). LKWs, verschiedene Geschäfte, Werkstätten, Tankstelle und Werbetafeln in der Rießnerstraße (benannt nach Amalie Rießner).
Dazwischen der Bahnhof.
Beide Straßen sind durch eine hohe Funktionalität geprägt, mit einem Fußgängertunnel und zwei Bahnunterführungen miteinander verbunden und grenzen das Gebiet ein, mit dem ich mich, durch viel auf und ablaufen mit der Kamera in der Hand, auseinandergesetzt habe.

-Anneliese Juliane John

Der Traum ist aus, schallt es aus dem Radio als ich den Lärchenweg im Erfurter Ilversgehofen, herunterging. Eigentlich ist Ilversgehofen bekannt für Probleme. Das Viertel im Erfurter Norden hat viele Gesichter. Hier – im Tiergarten, einem Teil des Viertels, haben die Strassen Namen wie Wesen aus Fabeln und die Vorgärten der Einfamilienhäuser sind sauber umzäunt. Auf der anderen Seite stehen vierstöckige Platten. Und dahinter dann die richtig Großen. Es ist ruhig. Ein paar Leute luken misstrauisch hinter der Tür hervor, als ich meine Kamera zückte. Lärchen höre ich keine.

-Antonia Mang

Wir bauen uns eine Stadt und ziehen durch die Straßen
Ein Mensch geht in einer Stadt durch eine Straße und somit durch eine Welt, die hauptsächlich aus menschlichen Spuren besteht. Ab und zu gibt es Spuren von Pflanzen oder Tieren, aber sie müssen sich unterordnen. Steine erzählen von Vulkanausbrüchen oder tektonischen Verschiebungen, aber sie wurden zu Bordsteinen zersägt. Der Asphalt und das Brummen der Motoren erzählen von zu Öl gewordenen Lebewesen unter der Erde, aber sie wurden heraufgeholt, färben die Straßen schwarz und lassen die Pole schmelzen. Viele Materialien wurden herbeigeschafft und vermischt, neue Verbindungen bringen neue Anwendungen. Ein Ozean aus Material und Information. Für mich verstecken sich in diesen Ebenen eigenartige Motive der Straße und somit des Menschen.

-Mathias Lorenz

„20 Sekunden Belichtungszeit“

Welchen Weg nimmst du nach Hause? Veränderst du diesen auch entsprechend der Tages-und Nachtzeit?

Nach einem Meinungsbild im Freundeskreis ist mir bewusst geworden, dass die (fehlende) Weimarer Beleuchtung nicht nur mir aufgefallen ist und auch nicht nur mich bei der Wahl des Weges beschäftigt. Gewisse Plätze werden ab Einbruch der Dunkelheit prinzipiell gemieden, Umwege werden getan, Straßenseiten werden gewechselt, Kopfhörer abgesetzt.Viele kleine Handlungsänderungen, die teils unbewusst, teils sehr bewusst ausgeführt werden.

Dabei ist eine geringere Beleuchtung natürlich nicht unbedingt ein direkter Faktor für weniger Sicherheit, jedoch spielt das Sicherheitsgefühl eine große Rolle, sodass viele Orte, die zum Beispiel von der Klassik Stiftung verwaltet werden ab einer gewissen (geringen) Lichtintensität umgangen werden.

Schärft beim nächsten Nachtspaziergang euer Augenwerk für die verfügbaren Leuchtmittel, was machen Schatten, wo geht ihr lang? Denn wie dunkel Weimar wirklich ist, sehen Sie wenn das Licht angeht!

-Thyra Kolde

Atemzug.
Ich gehe aus. Vielleicht ein gemeinsamer Spaziergang. Oder Alleine? Mit der Kamera in der Hand halte ich Vergängliches fest. Fragile Momente welche mir als Blicke aus dem Zugfenster des Lebens erscheinen. Wie Stecknadeln auf einer Weltkarte. Das Foto ist mir eine Visuelle Notiz. Sowohl lokal, wie auch temporal. Der Prozess? Langsame Fotografie. Genuss in der Entschleunigung. Nach einem kurzen Blick durch den Lichtschacht meiner Kamera gehe ich ein paar Schritte, wähle den Ausschnitt und fokussiere. Vor, zurück, und nochmal etwas zur Seite, wähle den Ausschnitt, fokussiere. Aufmerksam begutachte ich wie Licht und Schatten einen Flickenteppich aus Linien und Struktur entstehen lassen. Der menschenleere Raum gibt mir das Gefühl, als würde mein Umfeld gerade ausatmen. Ich messe das Licht. Stelle ein. Löse aus.
Mit dieser Arbeit habe ich mich mit der Vergänglichkeit ruhiger Augenblicke in der vermeintlich unvermeidlichen Hektik des Lebens auseinander gesetzt. Mit Bedacht wurden Momente von mir aus dem Alltag herausgegriffen, Szenen der Ruhe miteinander in einen Kontext gesetzt, und in der Dunkelkammer auf Papier verewigt.

-Richard Schött

Im Verlauf des Kurses sind mir immer wieder verschiedene Ideen gekommen - allerdings keine, der ich mich näher widmen wollte.

Jede Woche hab ich was Neues geprintet wie z.B. die Große Freiheit in Hamburg oder Rosaly im Neuendorf Haus aber nie mit der Überzeugung das ich mein Thema gefunden habe. Es war ein langwieriger Prozess für mich und einen Monat vor Semesterende bin ich durch zufällige Beobachtung auf etwas ursprünglich nicht Gesuchtes gestoßen. Komplexere Themen erfordern mehr Recherche, Überlegung und Sensibilität. Hier könnt ihr meinen Prozess sehen, das eigentliche Endresultat wird noch folgen.

-Jülide Nur Alemdar

03.02.23 - 05.02.23

11m3 Projektraum wird finanziert durch die Unterstützung von: